Morning Gloryville – der frühe Vogel tanzt den Beat

Wer in Berlin lebt, erlebt so einiges Skurriles. Auch ich habe in den letzten neun Jahren, die ich bereits in der Bundeshauptstadt zugebracht habe, so manche Situationen erlebt, die mich einerseits verwundert und andererseits daran erinnert haben, dass man sich in Berlin über nichts wundern sollte. Ganz besonders gilt das natürlich für die berühmt berüchtigte Berliner Partyszene. Hier gilt definitiv das Motto „alles kann, nichts muss“. Und genau dann, wenn man meint, dass man alles gesehen und erlebt hat, entdeckt man wieder eine neue Szene und kommt aus dem Staunen und Wundern nicht mehr raus.

So geschehen am vergangenen Freitag. Rebecca und ich waren von Florette zur Morning Gloryville Party in der STATION Berlin eingeladen. Ich hatte bereits öfter davon gehört, dass es Leute gibt, die bereits vor der Arbeit ihr Tanzbein schwingen und sich so in den Tag eingrooven. Da ich definitiv kein Frühaufsteher bin, bzw. jeden Morgen, wenn mein Wecker 7.15 Uhr klingelt, einen Riesenkampf mit meinem Schweinehund ausfechte, um mich aus dem Bett zu bewegen, käme ich niemals freiwillig auf die Idee, noch früher als notwendig, das Bett und das Haus zu verlassen, um VOR der Arbeit eine Party aufzusuchen. Bis letzten Freitag.

Da klingelte mein Wecker nämlich schon vor 6.00 Uhr und statt dass ich mich nach dem Dauer-Snoozing und meiner Soja-Latte an den Schreibtisch setzte, schmiss ich mich in meine Party-Robe für den Gang zur Morning Gloryville.

Pinke Haare, goldene Einhörner und tanzende Hasen

Die Party ging schon um 6.30 Uhr los und als Rebecca und ich uns um 7.30 Uhr am Eingang trafen, konnten wir kaum glauben, dass sich wirklich bereits so viele frühe und vor allem bunte Vögel auf der Party befanden! Hier sprang ein Typ mit pinken Haaren und Spiegeleiern auf seinem T-Shirt durch glitzernde Hula-Hoop-Reifen, dort schwang ein zwei Meter großer Hase sein Tanzbein und ganz vorne animierte ein goldenes Einhorn die ganze Meute mit ihrem gekonnten Hüftschwung zum Mittanzen, während eine Kollegin das Ganze mit lustigen Tanzanleitungen über ein Mikro unterstützte.

In Berlin geht man in solchen Szenarien natürlich sofort davon aus, dass diese lustigen Gestalten mindestens unter alkoholischem Einfluss, wenn nicht unter dem anderer Muntermacher stehen würden. Da es sich beim Morning Gloryville aber um ein sogenanntes „sober dance movement“ handelt, waren alle komplett nüchtern! Für den nötigen Frischekick gab es an der Bar allenfalls einen grünen Smoothie und Five-Elephants Kaffee und für die hungrigen Party-Gäste einen Wrap, Energy Balls und jede Menge Salat von Florette.

Von der Yoga-Matte auf die Tanzfläche

Um erst einmal richtig wach zu werden, musste ich mir einen Kaffee holen, mit dem Rebecca und ich uns durch die bunte Menge schlängelten bis wir auf den Yoga-Raum trafen. „Vielleicht ist Yoga eine ganz gute Idee für den Start“, dachten wir uns und schauten in den Raum, der bis auf den letzten Zentimeter gefüllt mit sonnen-grüßenden Yogis war.

Also ging es doch direkt auf die Tanzfläche und ab nach vorne zum Einhorn, wo wir uns von der etwas übermotivierten Lady am Mikro zum Mitgrooven animieren ließen. Und plötzlich hatte man fast vergessen, dass es noch nicht einmal 10.00 Uhr war! Die Menge war so gut drauf und so bewegungsfreudig, dass die meisten schweißgebadet zu den Elektro-Beats auf und ab wippten. Fraglich ist, ob wirklich noch jemand nach dieser Tanzeinlage das Büro aufgesucht hat.. Zumal es die Kollegen vielleicht doch ein wenig verwundert, wenn am Nachbartisch ein Einhorn die Sales-Zahlen in die Excel-Tabelle überträgt.. Naja, egal. Jedenfalls wurde man von der positiven Stimmung, zu meinem Erstaunen, richtig mitgerissen und es war auf einmal nicht mehr so verwunderlich, dass so viele Leute freiwillig so früh ihr Bett verlassen, um in der Morgenfrische ein wenig auszuflippen.

Da ich definitiv kein Morgenmensch bin, bleibt es sehr fraglich, ob ich mir bei der nächsten Morning Gloryville Party wieder meinen Wecker auf 6.30 Uhr stellen werde. Aber Rebecca und ich sind definitiv um eine Berliner Erfahrung reicher und wundern uns das nächste Mal sicher nicht, wenn uns morgens um 6.30 Uhr ein goldenes Einhorn in der U-Bahn gegenüber sitzt. Denn das ist dann bestimmt auf dem Weg zur Morning Gloryville Party!

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