Jerusalem – kulinarische traditionelle Vielfalt mit moderner Interpretation

Nachdem ich ursprünglich einen Artikel über meine Reise nach Israel machen wollte und dann feststellte, dass sowohl Tel Aviv als auch Jerusalem sehr viel kulinarisch zu bieten haben, entschied ich mich zwei separate Artikel zu veröffentlichen. Was man alles in Tel Aviv testen sollte, konntet ihr bereits letzte Woche erfahren. Doch was gibt’s eigentlich alles in Jerusalem? Da ich nur zwei Tage in dieser historischen Stadt war, kann ich noch nicht ganz so viel empfehlen, aber für einen ersten Besuch seid ihr dann alle Mal gewappnet und eine Liste bei Foursquare mit allen Spots habe ich natürlich auch wieder erstellt.

Am Dienstag Morgen stand ich also nervös an meiner Bushaltestelle auf dem Rothschildboulevard und weit und breit kam kein Bus, der mich zum Zentralen Busbahnhof bringen wollte. Ich wollte aber 9.30 Uhr spätestens in Jerusalem ankommen, da dann eine Tour mit einer Freundin durch die Old City von Jerusalem geplant war. Mit Stau und wildem und ziellosen über den Busbahnhof Rennen, erwischte ich dann aber meinen Bus nach Jerusalem und sollte etwa 20 Minuten später eintreffen. Die Busse nach Jerusalem fahren alle 10 Minuten, wenn man die Linie 480 nimmt und man zahlt umgerechnet etwa vier Euro bis zum Busbahnhof in Jerusalem. Ab jetzt werde ich mich also beim nächsten Mal nicht mehr so stressen. Am Busbahnhof sprang ich dann in die Tram und fuhr nahezu bis an die Stadtmauern der Old City. Jerusalem schien definitiv historischer als Tel Aviv und machte direkt einen ganz anderen Eindruck auf mich, was sicher daran liegt, dass alle Gebäudefassaden, egal ob alt oder neu, aus dem gleichen Stein gemacht werden müssen. Auf den ersten Blick ist die Stadt also nicht gerade bunt. Doch wie es oft so ist, täuscht der erste Eindruck. Mit unserem Tourguide Samuel, einem ehemaligen Juristen und Avi, dem Chefkoch unseres Hotels David Citadel machten wir uns auf den Weg um die Old City zu erkunden. 

Auf kulinarischer Entdeckungstour in der Old City Jerusalems

Zwischen all den historischen Gebäuden und Anekdoten Samuels konnten wir immer wieder auch kulinarisches von Avi erfahren. In einer kleinen kaum scheinbaren Gasse rief dann Avi, dass es hier das beste Kebab geben würde. Also schlidderten wir auf dem glatten Steinboden in den Gastraum und wurden direkt freundlich empfangen. Auf Plastikstühlen und mit Plastiktischdecken konnte ich mir erst mal nicht vorstellen, dass es hier das beste Lammkebab geben sollte. Als wir dann unseren kleinen Snack serviert bekamen, war das mehr als ich erwartet hatte. Das Kebab roch sehr lecker, dazu gab es einen riesigen Salat und natürlich frischen Hummus und Pita. Und ja, es war wirklich super! Wer also sich in der Old City verläuft, sollte einfach mal nach Shaheen Kebab fragen. In meinem Jerusalem Kochbuch von Ottolenghi habe ich den kleinen Laden dann auch jetzt wiedererkannt. Noch im Gehen, stopfte ich mir einen nach dem anderen Kebab in den Mund, weil wir aus engen Zeitgründen weiter mussten, aber ich einfach nicht genug von dem Lamm bekam. Der Geschmack ist wirklich intensiv und alles wurde direkt frisch zubereitet. 

In der Old City soll es übrigens auch den besten Hummus der Stadt, wenn nicht gar von ganz Jerusalem, geben. Das musste ich natürlich testen und habe mich dann am nächsten Tag bei meiner erneuten Erkundungstour auf den Weg zu Abu Shukri gemacht, als ich allein unterwegs war. Der Laden schien ähnlich unaufgeregt wie der Kebab-Laden, aber selbst das deutsche Fernsehen schien an ihm interessiert, denn ein Kamerateam vom Sender Phoenix marschierte mit großer Crew kurz nach mir in den Laden. Ich bestellt einen kleinen Hummus und Falafelteller und muss sagen, dass ich für mich schon besseren Hummus gegessen hatte, auch wenn der Hummus schön grün war, was für viele Kräuter spricht. Aber vielleicht ist dieses hier besonders authentisch. Als besten Hummus würde ich es nicht direkt ausrufen, die Falafel fand ich dafür wirklich gut. 

Wer aber lieber nach all den vielen Sehenswürdigkeiten eine kleine süße Auszeit und dann noch mit einem atemberaubenden Blick über die Old City belohnt werden will, der sollte sich auf ins Österreichische Hospiz machen. Das Pilgerhaus und Hostel liegt auf der Via Dolorosa an der dritten Station von Jesus‘ Kreuzweg. An Religionsgeschichte sei es jüdisch, christlich oder muslimisch kommt man in dieser Stadt einfach nicht vorbei. Daher ist so eine kleine Auszeit von all den Eindrücken wirklich nötig. Im Hospiz öffnet Schwester Bernadette die Türen und begrüßt alle Besucher, natürlich auch auf deutsch. Etwas seltsam hier auf einmal seine Muttersprache wieder zu hören, aber auch sehr herzlich. Auch als Nicht-Hostelgast kann man hier österreichischen Apfelstrudel und Kaffee (oder in meinem Falle Tee) genießen. Das sollte man sich auf jeden Fall auf die Liste schreiben. Die Gärten sind grün und eine kleine Oase in der hektischen Altstadt. Wer dann mit neuer Energie dank süßer Speisen, aber auch andere österreichische Klassiker gibt es auf der Karte, gestärkt ist, sollte nicht verpassen nach dem Garten und den Blick in die Altstadt die drei Stockwerke hoch zu gehen und ein paar Schekel zu zahlen um auf das Dach vom Hospiz zu kommen. Hier gibt es wirklich nahezu einen Rundumblick über die Altstadt und man sieht den Felsendom hoch über allem thronen.

Wer aber auf den Spuren lokaler Süßwaren ist, wird in der Altstadt ebenso fündig. Baklava und Künefe / Kunafah und andere muslimische Spezialitäten serviert mit Unmengen an Zuckersirup warten nur darauf verzerrt zu werden. Das sollte man sich nicht entgehen lassen, aber auf jeden Fall gilt: weniger ist mehr, denn die kleinen Teilchen haben es in sich und machen ziemlich satt, so dass man danach eher nicht mehr in der Lage ist durch die Altstadt zu schlendern.

Gewürze so weit das Auge sieht

Nach unserer Tour durch die Altstadt ging es dann im Taxi – ich empfehle definitiv die Tram – zum großen Markt Machane Yehuda. Das ist nicht vergleichbar mit den Märkten aus Deutschland. Wie uns Samuel und Avi erzählten, werden hier abends nach Schluss immer Klappstühle vorgeholt und alles wandelt sich dann in kleine Bars und Restaurants und beim genaueren Hinsehen konnte man auch tatsächlich die ganzen Klappstühle versteckt unter Tresen entdecken. Leider haben wir das verpasst, aber auch so gab es in dem Markt unglaublich viel zu sehen. Ich habe hier zum ersten Mal Halva getestet. Diese Süßware bestehend aus Ölmus, Zucker oder Honig und weiteren Zutaten habe ich danach fortan überall gesehen. Wie kleine feste Sandburgen stehen die Halva-Torten in den Regalen und Auslagen und Verkäufer reichen diese Süßigkeit in kleinen Würfeln. Mir hat es jetzt nicht so zugesagt, auch wenn ich gerne Nüsse und auch gerne Tahini esse. Aber vielleicht sind ein zwei Würfel auch einfach nicht ausreichend, um sich wirklich eine Meinung zu bilden. 

Für mich als Gewürzliebhaberin sind solche Märkte aber ein reines Paradies und wie gerne hätte ich mich mit lauter neuen Gewürzen eingedeckt, aber da ich ja nur mit Handgepäck unterwegs war, habe ich mich etwas zurück gehalten. Was ich jedoch spannend fand und auch im Koffer landete waren getrocknete Zitronen. Die gab es irgendwie überall. Jetzt muss ich mir nur noch ein Rezept überlegen, wie ich sie verwende und werde ab sofort meine eher unfreiwillig getrockneten Zitronen dann nicht mehr entsorgen.

Direkt um die Ecke vom Markt ist übrigens ein wirklich wunderbares, wenn auch sehr gehyptes Restaurant. Ins Machneyuda kommt man daher auch nicht ohne Reservierung. Ich hatte jedoch Glück, da ich zwar zur geschäftigen Mittagszeit vorbei gegangen bin, aber alleine war und so nach kurzem Warten einen Platz direkt an der Bar mit Blick in die hektische Küche bekam. Es war der beste Platz für Alleinessende, denn man bekam alles aus der Küche mit, konnte alle Speisen zumindest sehen und mit den Köchen ins Gespräch kommen. Die Köche schienen Spaß bei der Arbeit zu haben, die Pfannen glühten heiß und dank Purim oder weil es das Konzept so will, waren alle in super Stimmung, die Musik war laut und lud zum Feiern ein. Am Nachbartisch wurde ein Geburtstag gefeiert und Gäste und Personal beglückwünschten das Geburtstagskind, dass sein Dessert ganz trendgerecht direkt auf der Tischplatte mit viel Effekt serviert bekam.
In allen Guides wird die Trüffelpolenta empfohlen, aber irgendwie war mir an dem Tag nicht danach. Es war heiß und dann eine mächtige Polenta schien mir zu viel. Also gab es zur Vorspeise eine Art Kebab Tartar und als zweiten Gang Tintenfisch mit Auberginencreme und Pilzen. Das Machneyuda ist weder koscher noch halal und serviert dennoch moderne israelische Küche. Der Hype ist gerechtfertigt. Punkt. Es ist ein wirklich tolles Restaurant mit super Service und einer fantastischen entspannten Stimmung. Leider konnte ich mich nicht durch die gesamte Karte schlemmen, auch wenn ich das sehr gerne getan hätte. Zum einen liegt es an den Preisen, zum anderen an den nicht gerade kleinen Portionen. Und das wo ich doch eigentlich so viel essen kann. Wer also zuerst über den Markt geschlendert ist und von den Gerüchen angeregt ist, sollte hier seine kleine Pause einplanen, bevor es womöglich mit der Tram raus zum Yad Vashem geht.

Wer auf der Suche nach einzigartigen Ausblick und Abendlocation ist, dem sei zuletzt das Mamilla ans Herz gelegt. Der Blick über die nächtlich beleuchtete Stadt ist wirklich wunderschön und man kann sich gut vorstellen, dass hier auch die ein oder andere jüdische Hochzeit gefeiert wird. Das Restaurant ist nämlich koscher. Es gab überzeugende Gerichte wie das Lammkarrée, aber auch irritierende Gerichte wie die „Duck in a blanket“, die so gar nicht zu dem sonst eher israelisch inspirierten Essen passen wollte, auch wenn es gut zubereitet war und sehr gut schmeckte. Dennoch war es ein schöner Abend mit guten Weinen und zumindest auf einen kleinen Snack oder einen Drink in der Bar würde ich wiederkommen.

Fest steht, egal ob in Israel oder Deutschland an jüdischer und israelischer Küche kommt man inzwischen nicht mehr vorbei und so dürft ihr natürlich auf das ein oder andere Rezept in den nächsten Wochen gespannt sein.

 

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